Dr. Teresa Okure SHCJ ist 1941 in Nigeria geboren und Professorin für Neues Testament und Hermeneutik. Sie ist die erste aus Afrika stammende Schwester der Gemeinschaft des Heiligen Kindes Jesus (Society of the Holy Child Jesus), die nicht nur ihre Spiritualität, sondern auch ihren akademischen Werdegang prägte.
Nach ihrem Abschluss am Cornela Connelly College in Uyo (Nigeria) wurde sie von der Ordensleitung zu einem Studium im Ausland ermutigt. Sie studierte zunächst in Dublin (Beachelor), setzte ihr Master- und Promotionsstudium in New York fort und absolvierte weitere Studien an der École biblique in Jerusalem. Ihre Promotion schloss sie 1984 an der Fordham University im Fach neutestamentliche Exegese mit der Arbeit „The Johannine Approach to Mission“ ab. Anschließend lehrte sie unter anderem am Catholic Institute of West Africa in Port Harcourt (Nigeria) sowie am St. Joseph’s Theological Institute in Cedara (Südafrika).
Ihre Theologie lässt sich als befreiungstheologisch beschreiben, steht in enger Verbindung mit den kulturellen Erfahrungen von Afrikaner:innen und beruft sich auf die Idee der Inkulturation: Das Evangelium nimmt in kulturell geformten Ausdrucksweisen Gestalt an. Theologisches Denken geht dabei vom konkreten Alltag und den gelebten Erfahrungen der Menschen aus. Dabei reflektiert Okure kritisch jene kulturellen Muster, die Ausgrenzung und Unterdrückung begünstigen, um die Würde und Menschlichkeit aller zu wahren.
Für Okure ist Gott somit gegenwärtig und spricht alltäglich zu den Menschen. Ihr Verständnis von Exegese geht aus einer gemeinschaftlichen Auseinandersetzung des Bibeltextes hervor, die die aktuelle Bedeutung sowie Relevanz des Wortes Gottes für das Leben erschließet.
Ihr theologisches Denken basiert auf vier grundlegenden Prinzipien:
– dem Prinzip des Lebens,
– dem Prinzip der Befreiung,
– dem Prinzip der Inklusivität sowie
– dem Prinzip einer im Glauben verankerten Lektüre der Bibel.
Okure betreibt Theologie aus der Perspektive afrikanischer Frauen, um so patriarchale Strukturen zu überwinden und Frauen und Männer gleichermaßen aus diesen zu befreien. Sie hebt die Bedeutung der mündlichen theologischen Erfahrungen afrikanischer Frauen hervor, macht die Rolle von Frauen in der frühen Christenheit sichtbar, und liest die Bibel neu mit Blick auf ihre Bedeutung für Frauen. So ermutigt sie besonders Frauen ihrer eigenen Interpretationsgeschichte zu nachzugehen, diese zu finden und zu entwickeln. Ihr Ziel ist ein gemeinsamer, befreiender Weg aus patriarchalen Strukturen hin zu einem solidarischen Miteinander.
Moerschbacher, Marco: Teresa Okure, in: Forum Weltkirche (online), https://www.forum-weltkirche.de/autorinnen/okure-teresa-shcj/ (letzter Zugriff 04.04.2026).
Berkley Center for Religion, Peace & World Affairs: Teresa Okure, https://berkleycenter.georgetown.edu/people/teresa-okure (letzter Zugriff 04.04.2026).
Okure, Teresa: Afrika, ein gemarterter Kontinent: Saat einer neuen Menschheit, in: Concilium 39 (2003) 1, 28–37.
Okure, Teresa: Das Frauenbild der Bibel in heutiger Sicht, in: Bulletin Dei Verbum No. 50, (1999), 4–11.
Okure, Teresa: Feminist interpretations in Africa, in: Elizabeth Schuessler Fiorenza: Searching the Scriptures, Vol. 1: A Feminist introduction New York 1993, 245–254.
Okure, Teresa: Invitation to African women’s hermeneutical concerns, in: African Journal of Biblical Studies 19 (2003), 71–95.
Okure, Teresa: Jesus, der Mann, der in der Art der Frauen wirkte, in: Jahrbuch Mission 1993 (Hamburg 1993), 53–62.
Okure, Teresa: John. Commentary on the Gospel of John, in: The International Bible Commentary. A Catholic and ecumenical commentary for the 21st Century, ed. by William R. Farmer, Collegeville 1998, 1438-1505.
Okure, Teresa: The Johannine approach to mission. a contextual study of John 4:1-42, Tübingen 1988 (Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, 31).
Okure, Teresa: The mother of Jesus in the New Testament: Implications for women in mission, in: Journal of inculturation theology 2 (1995), 196 –210.