
Dr. theol. ev. h.c. Desmond Mpilo Tutu wurde 1931 geboren und ist vor vier Jahren im Dezember verstorben. Er war anglikanischer Priester, Bischof, Erzbischof und Menschenrechtsaktivist in Südafrika.
Tutu begann seine akademische Laufbahn 1951–1953 mit einem Lehramtsstudium am Bantu Normal College in Pretoria (Südafrika). Nach seinem Bachelor-Abschluss arbeitete er zwei weitere Jahre als Lehrer. Nachdem er seinen Lehrberuf niederlegte, engagierte er sich in der anglikanischen Kirche, begann sein Studium am St. Peter’s Theological College in Johannesburg, wurde Diakon und 1961 in Benoni zum Priester ordiniert. Seine theologische Bildung erweiterte Tutu ab 1962 am King’s College in London und schloss dort 1965 mit dem Bachelor of Divinity sowie ein Jahr später mit dem Master-Abschluss ab. 1967 war er Kaplan am University College Fort Hare und unterrichtete als Dozent am Federal Theological Seminary in Alice. Im Jahr 1970 lehrte Tutu an der University of Botswana, Lesotho and Swaziland und arbeitete von 1972 bis 1975 beim Ökumenischen Rat der Kirchen. Als erster Schwarzer Südafrikaner übernahm er ab 1975 die Position des anglikanischen Dekans an der St. Mary’s Cathedral in Johannesburg. Im Jahr darauf wurde er Bischof in Lesotho und bekleidete 1978 das Amt des Generalsekretärs des Südafrikanischen Kirchenrates. 1985 wurde Desmond Tutu zum ersten Schwarzen Bischof von Johannesburg und 1986 zum ersten Schwarzen Erzbischof von Kapstadt ernannt. 1988 übte Tutu das Amt des Kanzlers der University of the Western Cape in Bellville, Südafrika aus. Sieben Jahre später, 1995, übernahm er den Vorsitz der südafrikanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission, die Menschenrechtsverletzungen während der Apartheid untersuchte. Tutu setzte sich für Entwicklungshilfe und den Klimaschutz ein. Gemeinsam mit Nelson Mandela gründete er 2007 die Gruppe The Elders, in den USA rief er die Desmond Tutu Peace Foundation ins Leben, während er in Südafrika gemeinsam mit seiner Frau die Desmond & Leah Tutu Legacy Foundation gründete.
Bei Desmond Tutu lassen sich Theologie und praktisches Handeln kaum voneinander trennen. Seine Lebenserfahrungen – etwa die gesetzlich verankerte Diskriminierung Schwarzer Kinder im südafrikanischen Bildungswesen – sowie sein Widerstand gegen das Apartheidregime prägen sein theologisches Denken. Auch die Ungerechtigkeiten, wie die Inhaftierung des Geistlichen John Thorne, gegen die Tutu 1980 protestierte und dafür selbst verhaftet wurde, spiegeln sich in seinem Engagement wider. Seine Theologie ist untrennbar mit dem Einsatz für Gerechtigkeit verbunden und richtet den Blick auf Diversität, Freiheit und die Vision einer „Regenbogennation“: ein friedliches Zusammenleben aller Menschen.
Er wurde 1984 mit dem Nobelpreis für seine Rolle im Widerstand gegen die Apartheid in Südafrika ausgezeichnet. Mit seinem Engagement verfolgte er das Ziel einer demokratischen und gerechten Gesellschaft ohne Rassentrennung – durch gleiche Bürgerrechte für alle, die Abschaffung der südafrikanischen Passgesetze, ein gemeinsames Bildungssystem und die Beendigung der Zwangsausweisung aus Südafrika in die sogenannten „Homelands“
Literatur:
An African prayerbook, 2000.
Crying in the Wilderness. The Struggle for Justice in South Africa, Michigan 1982.
Hope and Suffering: Sermons and Speeches. Michigan 1984.
No future without forgiveness, New York 1999.
The Rainbow People of God: The Making of a Peaceful Revolution, New York 1994.
Versöhnung ist unteilbar. Interpretationen biblischer Texte zur schwarzen Theologie, Wuppertal 1977.
Quellen der biografischen Informationen:
Diese Informationen und weitere Informationen zu Tutu finden sich auf folgenden Webseiten:
Vorlage für die biografischen Informationen: Kniefacz, Katharina: Personen. Desmond Mpilo Tutu, 03.04.2024, https://geschichte.univie.ac.at/de/personen/desmond-mpilo-tutu (letzter Abruf 01.12.2025), Britannica: Desmond Tutu. South African archbishop, 18.03.2025, https://www.britannica.com/biography/Desmond-Tutu(letzter Abruf 01.12.2025).
Missio 21: Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu feiert 90. Geburtstag, 07.10.2021, https://www.mission-21.org/friedensnobelpreistraeger-desmond-tutu-feiert-90-geburtstag/ (letzter Abruf 01.12.2025).
Karle, Isolde: Mehr als ein Nachruf. Desmond Tutu – Inspiration für Freiheit und Diversität, 13.01.2023, https://news.rub.de/hochschulpolitik/2022-01-13-mehr-als-ein-nachruf-desmond-tutu-inspiration-fuer-freiheit-und-diversitaet (letzter Abruf 01.12.2025).
The Nobel Foundation 1984: Desmond Tutu. Biographical, https://www.nobelprize.org/prizes/peace/1984/tutu/biographical/ (letzter Abruf 01.12.2025).
Ökumenischer Rat der Kirchen: Die Welt trauert um Desmond Tutu, 30.12.2021, https://www.oikoumene.org/de/news/world-mourns-loss-of-archbishop-desmond-tutu (letzter Abruf 01.12.2025).
Foto: Benny Gool via wikimedia commons.
Ein Beitrag von Luisa Kappes